Mittwoch, 22. August 2018

Jesus Freaks Japan - Experten für Jüngerschaft

Heute steige ich in Sapporo in die U-Bahn und mache mich auf den Weg nach Zenibako. Dort leben JP und Nora Koch mit Leo und Eva. Die Familie wird unter anderem von den Jesus Freaks Gießen unterstützt. Ihr Herz schlägt für Freaks aller Art…

Wir sind fast da, man sieht schon das Meer.
Familie Koch war letztes Jahr im Heimataufenhalt unsere Nachbarn in Flensungen. Ich bin gespannt, sie in ihrem japanischen Umfeld zu treffen.

JP holt mich am Bahnhof ab. Sie wohnen in einem Häuschen, ziemlich nah am Meer. In der Umgebung werden gerade neue Bauplätze erschlossen, fast alle Grundstücke sind schon verkauft. Eine neue Nachbarschaft ist immer eine neue Chance.

Als wir ankommen, tobt Leo mit zwei japanischen Freunden auf einem Trampolin vor dem Haus. Wir gehen hinein, Nora hat gerade Besuch. Eine Nachbarin steht kurz vor der Entbindung, ihre Schwester ist zum Helfen gekommen. Beide Frauen sind immer wieder bei Nora. Auch zu anderen Müttern ist die Beziehung super.

Jesus und die Sekten

Nora hat immer wieder Möglichkeiten, ihren Nachbarinnen von Jesus zu erzählen. Es ist genau wie bei uns: manche finden es gut, andere sind zurückhaltend. Denn viele Japaner haben Angst vor Sekten.

Immer wieder höre ich in Gesprächen, welchen Schaden die Aum-Sekte der christlichen Mission zugefügt hat. 1995 starben 13 Menschen bei einem Giftgasanschlag in der U-Bahn in Tokio, 6000 wurden verletzt. Aus diesem Grund sind viele Japaner (zu recht!) skeptisch, wenn ihnen eine neue Religion angeboten wird...

Eva und ihr Papa im Büro im Keller
Eva schleppt mich durchs Haus, zeigt mir ihr Zimmer und ihre Spielsachen und verdonnert mich, ein paar Minuten mit ihr zu spielen :-)

Jüngerschaft - Zukunft für Japans Gemeinden

JP versucht, ein Jüngerschaftsprogramm voran zu bringen. Dies ist seiner Meinung nach ein wichtiger Weg für schnelleres Wachstum der japanischen Gemeinde. Das Ziel des Kurses ist, Christen zu ermutigen, ihren Glauben weiterzugeben, auch wenn sie zum Teil noch nicht lange an Jesus glauben.

Die Idee dahinter: Man muss nicht lange Jahre warten, bis man im Glauben „reif genug“ ist. Jeder kann anderen das Evangelium erklären, auch wenn er Jesus erst seit einem Tag kennt! (Mehr dazu in diesem Beitrag von JP Koch auf der Homepage von OMF Deutschland).

Während dem Jüngerschaftskurs erstellen die Teilnehmer unter anderem eine „Beziehungslandkarte“. Das ist eine Art MindMap, in der jeder die Leute aufschreibt, zu denen er eine engere oder weitere Beziehung hat: Familie, Nachbarn, Freunde, Kollegen… Dann betet man für die Leute und sucht Wege, ihnen von Jesus zu erzählen.

Eine Frau kontaktierte innerhalb von zwei Wochen nach dem Kurs alle (!) Leute auf ihrer Karte. Sie lud sie in ihre Gemeinde ein. Dort erzählte sie ihnen, was Jesus für sie bedeutet. Fast alle waren erstaunt, von ihrem Glauben zu erfahren. Sie hatten keine Ahnung, was das Christentum lehrt und wer Jesus ist.

Eine andere Frau sollte von ihrer Firma versetzt werden. Da sie gerade begonnen hatte, ihre Freunde in der Umgebung für Jesus zu gewinnen, kündigte sie kurzerhand ihre Stelle. Jetzt lebt sie von Sozialhilfe. Sie nutzt die gewonnen Zeit, um Obdachlosen im Park von Jesus zu erzählen. Einige sind durch sie sogar schon zum Glauben gekommen. Sie will jetzt die Stadt anfragen, ob sie nicht als Sozialarbeiterin angestellt werden kann?

Noch eins zum Abschied
Nach dem Abendessen trinken Nora und ich noch ein Bier miteinander (JP muss mich ja noch mit dem Auto zum Bahnhof bringen ;-) . Dann fahre ich wieder zurück. Schön wars! Danke, liebe Kochs, für den Einblick in euer Leben!

Impressionen aus Zenibako


Guten Appetit, Leo!
Taxis am Bahnhof warten auf Kundschaft

Zenibako Nightlife. Eher mager...

Das Transportsystem ist unschlagbar!

Dienstag, 21. August 2018

30 Jahre Pastor und immer noch Ziele vor Augen!

Heute geht es nach Obihiro. Ich möchte Gemeindearbeit auf dem Land kennenlernen und habe mir dazu dieses Städtchen und den Außenort Otofuke ausgewählt. Die deutsche Missionarin Beatrix Neblung hat dort lange gearbeitet.

Blick aus dem Busfenster
Von Sapporo aus dauert die Fahrt mit dem Bus vier Stunden. Die Gegend ist fast wie bei uns. Die Straße steigt an, in den Tälern liegen Wolken und Nebel. Unterwegs sehe ich nur selten Siedlungen oder Dörfer. Die Landschaft ist geprägt von Bergen, Wald, Wiesen und manchmal einem Fluß. Der Unterschied zu Deutschland ist, dass wir lange Abschnitte durch einsame Abschnitte fahren.

Simon Huser, ein Schweizer Missionar, holt mich am Busbahnhof in Obihiro ab. Wir fahren zusammen in die Gemeinde, wo Pastor Murata mit seiner Frau zu einem Gespräch bereit sind. Ich hatte mich nur auf eine Begegnung mit Missionaren eingestellt. Deshalb bin ich etwas überrascht, freue mich aber, dass er sich trotz seiner vielen Arbeit Zeit für mich nimmt.

Pastor Murata ist Christ in der dritten Generation. Das bestätigt meine Theorie, dass das Evangelium mehrere Generationen braucht, um die Gesellschaft (in diesem Fall eine Familie) ganz zu durchdringen.

Gemeindegründung in Partnerschaft zwischen japanischen Christen und OMF

Pastor Murata aus Obihiro und seine Frau
Die Gemeinde in Obihiro war die erste, die in Partnerschaft zwischen OMF Missionaren und einem japanischen Pastor (ihm!) gegründet wurde. Seit 30 Jahren ist er nun Pastor dieser Gemeinde von etwa 70 Gottesdienstbesuchern. Es gibt eine Jungschar, einen Studentenkreis, einen Mutter-und-Kind-Kreis und eine Gehörlosengruppe.

Neuerdings wurde ein monatliches Gemeinde-Café eingerichtet, zu dem die Nachbarn eingeladen werden. Das Ziel ist, die Hemmschwelle zu Nichtchristen zu senken. Pastor Murata ist es wichtig, dass auch die Nachbarn einen „Nutzen“ von der Gemeinde haben. Er möchte, dass die Gemeinde dem Ort gut tut.

Eine Vision für sterbende Dörfer

Kirchengebäude in Obihiro
Pastor Murata hat eine Vision für die gesamte Region. Es gibt Tochtergemeinden an zwei Orten: in Otofuke und in Nakasatsumai. Es gibt weitere 17 Orte in der Region, die zum Teil ohne eine christliche Gemeinde sind. Manche Dörfer sterben aus, weil die jungen Leute in die Städte ziehen. Pastor Murata fragt: wie können die Menschen in diesen Dörfern trotzdem erreicht werden? Seine Frau und er sind pausenlos unterwegs. Unter anderem besuchen sie regelmäßig ein Dorf, das über eine Stunde entfernt ist, um Jungschar für ein (1!) Kind anzubieten. Das ist es ihnen wert.

Es ist schön zu hören, dass deutsche Missionarinnen in den vielen Jahren Spuren hinterlassen haben. Beatrix Neblung und Conny Stöckle sind nur zwei davon.

Abends lese ich einige alte Gebetsbriefe von Bea. Sie schreibt sehr interessant und schildert in ihren Briefen viele Erlebnisse von Japanern auf ihrer geistlichen Reise zu Jesus. Es dauert lange, bis Japaner verstehen, wer Jesus ist. Ich lese unfassbare Sätze wie: „Es ist erstaunlich, wie sehr sich Frau XY in den letzten fünf (!) Jahren für die Gute Nachricht geöffnet hat…“ Ich hätte nicht die Geduld, um Menschen so lange zu begleiten und dann auch noch Fortschritte wahrzunehmen...
Gruppenbild mit Simon und Kaori Huser mit Timo (ganz links und rechts)

Video über die Gemeinde in Obihiro




Meine erste Predigt auf Japanisch ;-)
Wen es interessiert: die Gemeindeküche

Sonntag, 19. August 2018

Japanischer Gottesdienst in Hanamaki

Dieses Haus ist Wohnhaus und Gemeindehaus (zum Vergrößern auf die Bilder klicken)

Renate und Peter: Ihr seid die Besten!







Ich bin bei Peter und Renate Yonge in Hanamaki zu Besuch. Renate ist Deutsche, Peter ist Engländer. Sie sind seit gefühlten 30 Jahren Missionare in Asien und haben unendlich viel Erfahrung!

Ich darf bei ihnen einen japanischen Gemeindesonntag miterleben. Durch Obon, ein großes japanisches (Geister-) Fest und die damit verbundenen Ferien, kommen jedoch nur ungefähr 10 Personen.





Eine anschauliche Predigt

Daniel Lau lebt seit fünf Jahren in Japan
In der Predigt geht es darum, wie Gott in einer Vision die Mauern Jerusalems auslotet. So, wie er Wert darauf legt, dass die Mauern gerade sind, so soll auch unser Leben „gerade“ sein, ausgesondert für Gott.

Daniel Lau aus Singapur predigt sehr anschaulich. Er ist ursprünglich Ingenieur und hat extra für die Predigt ein Bleilot gekauft, mit dem er die Botschaft illustriert.

Diskussionen beim Mittagessen

Als es im Anschluss an den Gottesdienst gemeinsames Mittagessen gibt, setzen sich Frauen und Männer an getrennte Tische.

Die Frauen diskutieren darüber, ob man sich als Christ wirklich in so vielen Dingen von den anderen unterscheiden müsse?

Bei solchen Fragen ist guter Rat teuer...
Der Grund der Frage: gerade ist das Obon-Fest vorbei, eines der größten Feste des Landes. Man glaubt (d.h., viele Japaner glauben eigentlich selber nicht daran, aber sie begehen das Fest trotzdem), dass bei diesem Fest die Geister aus dem Totenreich zurückkehren, um sich von den Verwandten mit Nahrung versorgen zu lassen. Dazu müssen Japaner an ihre Heimatorte zurückkehren. Es werden dann große Familientreffen gefeiert.

Inwiefern muss man sich als Christ aus diesen Feiern und Zeremonien ausklinken? „Wir beten ja nicht zu den Geistern. Wir stehen nur da und folgen der Form, nicht dem Inhalt.“

Es ist für Missionare fast unmöglich, solche Fragen zu beantworten. Japanische Christen müssen sich eigentlich selber beraten und gegenseitig helfen, denn sie sind von diesem Problem hautnah betroffen.

Ich sehe, wie wichtig diese gemeinsame Mahlzeit nach dem Gottesdienst für ihren Alltag in einem buddhistischen bzw. schintoistischen Umfeld ist. Oft tauschen sich die Frauen persönlich aus und beten füreinander.

"Jesus gibt mir Halt im Leben!"

Gespräch unter Männern. So wünsche ich mir Gemeinde!
Die Männer führen ein ganz anderes Gespräch. Ein älterer Herr kommt seit etwa drei Jahren in die Gemeinde, aber sich noch nicht für ein Leben mit Jesus entschieden. Er hat beobachtet, dass Christen eine besondere Stabilität im Leben haben. Er wundert sich darüber und fragt in die Runde: „Ist das nicht das Ergebnis von jeder Religion?“

Die anderen Männer gehen respektvoll darauf ein. Sie erzählen von ihrem Alltag mit Jesus. Sie erklären, dass der Halt ihres Lebens kein Ergebnis von „Religion“ ist, sondern aus der persönlichen Beziehung zu Jesus kommt.

Es ist schön, zu beobachten, wie ernsthaft und gleichzeitig persönlich sie von ihrem Glauben erzählen. Es ermutigt mich solchen Christen zu begegnen und fordert mich heraus, in Deutschland ebenso praktisch von Jesus zu reden.

Moderne und Tradition: Gegensätze?

Ein tiefer Denker (rechts ;-) )
Als gegen 15 Uhr schließlich alle Besucher wieder gegangen sind, sitzen wir noch mit einem etwa 25jährigen jungen Mann zusammen und unterhalten uns über Japan, Geschichte, Gott und die Welt. Er hat ein breites Wissen über die Religion und Kultur des Landes und kann das gut vermitteln. Erstaunlich, wie er die japanische Volksseele analysiert.

Schlüsseldaten der japanischen Kirchengeschichte sind die Jahre 1865 und 1945. In beiden Fällen wuchs der ausländische (amerikanische!) Einfluss auf Japan. Der junge Mann sagt: "Japan hat von den Ausländern die Technologie und den Fortschritt angenommen. Das ursprüngliche Weltbild hat sich aber nicht verändert." So vereint ein Japaner altes und neues Denken, modernste Technik und Jahrtausende alte Tradition.

Freitag, 17. August 2018

ICE oder Shinkansen: Wer macht das Rennen?

Freitag, 17. August 2018

Bis zu 320 km/h: Japanischer Shinkansen
Der Vormittag vergeht mit Gesprächen mit mehreren Leitern von OMF Japan. Nach dem Mittagessen begleitet mich Sho Sugaya, der im Oktober übrigens Referent beim deutsch-japanischen Missionsfest in Mücke sein wird, mit der U-Bahn zum Bahnhof in Tokio. Er leitet mich durch das Gewirr aus unterirdischen Gängen und Menschen.

Schließlich komme ich an meinem Bahnsteig an. Ich werde mit dem Shinkansen, einem japanischen Hochgeschwindigkeitszug, nach Hanamaki fahren. Die Züge können bis zu 320 km/h fahren. Als „guter Deutscher“ bin ich natürlich gespannt, ob ein Shinkansen komfortabler und bequemer ist als ein ICE.
Die Züge fahren auf die Sekunde (nicht: Minute!) genau!

Ich habe eine Reservierung: Wagen 8, Platz 10. Am Bahnsteig finde sofort die exakte Stelle, an der Wagen 8 zum Stehen kommen wird. Nachdem der Zug eingefahren und die Fahrgäste ausgestiegen sind, dürfen wir aber noch noch nicht einsteigen.

Ein Reinigungstrupp geht durch die Waggons, fegt den Boden, staubt die Sitze ab und wechselt die Schutztücher der Kopfstützen. Anschließend werden alle Sitze umgedreht, denn die Fahrtrichtung ändert sich für unsere Strecke. Verrückt!
Klug: Rechts stellen sich die Pasagiere an, die mit dem nächsten Zug fahren. Links diejenigen, die mit dem übernächsten Zug fahren.

Erst als die Putzkräfte den Zug verlassen haben, dürfen wir einsteigen. Es ist wirklich luxuriös. So viel Beinfreiheit hatte ich noch nie in einem Zug. Die Sitze sind breit und bequem. Vor jeder Haltestelle ist eine Ansage: der nächste und auch der übernächste Stopp wird angesagt. Clever. 

Glücklich, weil die Beine nicht einschlafen wie im Flieger :-)
Wir fahren unter anderem durch Sendai und Fukushima. Das Leben in Fukushima scheint nach dem, was ich aus dem Zug beobachte, wieder normal zu sein. Was ich erst abends über Instagram erfahre: eine Bekannte aus Deutschland ist gerade zu dieser Zeit von der Uni aus in Fukushima. Schade, dass wir uns nicht gesehen haben.

In Hanamaki holen mich Peter und Renate Yonge ab. Jetzt bin ich in der Region Tohoku. Der nächste Teil meiner Reise beginnt.

Dieser Halt: Fukushima
Blick aus dem Fenster: Stadt
Blick aus dem Fenster: Land
Hier der Beweis: Mindestens 20 cm bis zum Vodersitz :-)