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Donnerstag, 23. Oktober 2025

Wie Gott mein Herz für Asien geöffnet hat

Ich (Joachim) habe lange nichts mehr veröffentlicht.

Da wir im kommenden Jahr wieder nach Kambodscha ausreisen, interessiert sich der eine oder andere vielleicht dafür, wie ich überhaupt dazu kam, Missionar zu werden?

Hier ist ein kleiner Ausschnitt aus meinem Zeugnis – ein Stück meiner Geschichte mit Gott, der mir beigebracht hat, ihm Gutes zuzutrauen, selbst wenn das bedeuten könnte, Missionar zu werden. (Was ja, ehrlich gesagt, immer noch ein Angstthema für viele ist.)

Ein ungewöhnlicher Anfang

Im Sommer 1995 – also vor fast 30 Jahren – machte ich mein Bibelschulpraktikum auf den Philippinen.

Damals war das ziemlich ungewöhnlich: Ich war erst der zweite Student meiner Bibelschule, dem ein Auslandspraktikum erlaubt wurde.

Ich hatte zwar einen klaren Ruf in die Mission, aber ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, Missionar zu werden.

Drei Jahre lang versuchte ich, Gott davon zu überzeugen, dass andere Wege besser wären – zum Beispiel als Jugendpastor.

Aber Gott ließ mich nicht los.

Ein Wendepunkt auf den Philippinen

So flog ich eher widerwillig zu meinem Einsatz. Die ersten Wochen waren ehrlich gesagt hart – alles war fremd, ungewohnt und herausfordernd.

Doch dann durfte ich einige Tage an einer Bibelschule verbringen, und dort veränderte Gott mein Herz.

In den Begegnungen mit den Studierenden zeigte er mir, dass er Dinge in meine Persönlichkeit hineingelegt hat, die genau in eine asiatische Kultur passen.

Es war, als hätte er mich mit Asien im Sinn geschaffen.

Diese Erkenntnis war ein Wendepunkt.

Ohne diesen Einsatz hätte ich nie verstanden, wie Gott mich geformt und wozu er mich berufen hat.

Mein Serve Asia-Einsatz mit OMF war tatsächlich der Schlüsselmoment meiner Berufung.

Ein Bibelvers als Schlussakkord

An meiner letzten Station legte Gott noch einmal den geistlichen Schlusspunkt:

Auf dem Kopfkissen im Gästezimmer lag ein Zettel mit einem Bibelvers:

„Habe deine Lust am HERRN; der wird dir geben, was dein Herz wünscht.“ (Psalm 37,4)
Dieser Vers fasst alles zusammen, was Gott mir in jener Zeit gezeigt hat:

Wenn ich mich seinem Willen unterordne, handelt er nicht gegen mich, sondern für mich.

Er führt mich immer tiefer hinein – nicht nur in meine Berufung, sondern in meine Bestimmung als Mensch, so wie er mich geschaffen hat.

Drei Jahrzehnte später

Seitdem durfte ich viele Jahre in Kambodscha dienen, später bei OMF Deutschland – und ab 2026 geht es wieder nach Kambodscha.

Wenn das nicht long-term ist, was dann? 😉

Zum Nachdenken

Vielleicht kämpfst du auch gerade mit Gottes Führung in deinem Leben – vielleicht mit dem Gefühl, dass seine Wege dich zu weit hinausführen oder zu viel kosten könnten.

Ich habe gelernt: Gott handelt nicht gegen uns, sondern für uns.

Wenn wir ihm vertrauen, entdecken wir oft erst unterwegs, dass er uns genau richtig geschaffen hat – für das, wozu er uns ruft.

Mittwoch, 17. Juli 2019

Bibelstunde im kambodschanischen Dorf

Unser erster Stop in Kambodscha ist Siem Reap. Dort besuchen wir das OMF-Team. Dazu gehören als Missionare Familie Hohmann und Margret Heckert aus Deutschland. Auch Claudia aus unserer sendenden Gemeinde in Gstaad, Schweiz, war in ihrem ersten Teil des Teams.

Ein Team aus Ausländern und Einheimischen

Die Missionare werden von zwei Kambodschanern unterstützt.  

Nee ist die erste offizielle einheimische Missionarin, die vom Gemeindeverband "Fellowship Churches of Cambodia" (FCC) und der Pochentong-Gemeinde in Phnom Penh ausgesandt wurde und finanziell unterstützt wird.

Chung ist ein junger Mann, der eine Bibelschule absolviert hat und nun als Broterwerb Ausländern die Landessprache beibringt. Auch er zählt sich zum Team dazu. "Informell" gehört auch Abraham, ein Südafrikaner, dazu. Ihn treffen wir allerdings nicht.

Nee, Margret und Chung - ein tolles Team!

Familie Hohmann ist gerade für einen kurzen Heimataufenthalt in Deutschland. Doch Margret ist da, sie hat extra wegen uns ihren Urlaub um ein paar Tage verschoben! Danke, Margret!

Der Plan ist, am Dienstag gemeinsam nach Ta Hok zu fahren. Das Dorf liegt etwa eine Stunde von der Provinzhauptstadt entfernt und wird jede Woche besucht. Auf dem Programm stehen dann einen Bibelstunde, je nach Situation auch Kinderstunde und Teenkreis. Margret bringt den Frauen im Dorf das Häkeln bei.

Staubige Straßen, tiefe Schlaglöcher und froher Tanz

Noch lächeln wir...
Der Weg ist staubig und holprig. Trotz Klimaanlage im Auto fließt der Schweiß in Strömen.

Unterwegs kommen uns mehrere Prozessionen entgegen. Es ist Vollmond. Heute beginnt die buddhistische Fastenzeit, wie jedes Jahr zu Beginn der Regenzeit. Auf landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen sind Lautsprechertürme aufgebaut, aus denen die Bässe heftig wummern! Dahinter tanzen weiß gekleidete Frauen, die gold-glitzernde Geschenke für die Mönche mitführen.

Die Prozession kommt - wir warten am Straßenrand
Wir treffen beim Haus einer Großmutter ein. Sie gehört zu den engen Freunden von Margret, obwohl sich die beiden nicht verständigen können.

Vergangene Woche musste die Großmutter einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen: der zweite ihrer drei Söhne verstarb ganz plötzlich. Der letzte verbliebene Sohn leidet an den Folgen eines Schlaganfalls, ein Schicksal, das man in Kambodscha (und auch anderswo) niemand wünscht.

Man merkt der alten Frau die Trauer kaum an. Keine Gefühle zu zeigen, ist Teil der vom Buddhismus geprägten Kultur.

Die kürzeste Predigt aller Zeiten...

Zuerst werden die Besucher "eingesammelt". Nachdem eine Gruppe von drei Frauen und fünf Kindern beisammen ist, beginnen wir mit Liedern und Gebet. Marlen und mir macht es viel Spaß, wieder die schönen Melodien zu singen.

Traditionelle Melodien wecken alte Erinnerungen
Margret hatte mir letzte Woche per Email mitgeteilt, das ich heute für die Andacht zuständig sei. Nachdem ich zehn Jahre praktisch kein Khmer gesprochen habe, ist das eine große Herausforderung! Am Vormittag habe ich versucht, mich einigermaßen vorzubereiten.

Im Auto hatte ich Chung meine Andacht schon einmal vorgetragen mit der Bitte, mich zu unterstützen, wenn mir die Worte ausgehen. Ich beginne mit meiner kurzen Rede und bin bereits nach wenigen Minuten mit meinen Gedanken fertig.

Eine dreifache Predigt

Jetzt übernimmt Chung. Er wiederholt, "was der Lehrer aus Deutschland in seiner kurzen, kurzen Andacht" sagen wollte und ergänzt einige Beispiele.

Auch Nee greift meine Gedanken auf und vertieft sie. Ich bin froh, dass die beiden verstanden haben, was mein Punkt war. Schließlich bekommen auch die Teilnehmer mit, was ich sagen wollte...

Zum Abschluss beten wir gemeinsam. Das wichtigste Anliegen ist Regen! Obwohl Regenzeit ist, fehlt das Wasser an allen Orten. Die Reispflanzen sind zum Teil schon vertrocknet. Für Menschen, die von der Landwirtschaft leben, ist der Klimawandel die größte anzunehmende Katastrophe. Wir beten eindringlich um Regen. (Die Gebetserhörung erleben wir bereits am nächsten Tag. Es schüttet tatsächlich in Strömen - was für eine Wohltat!)

Von Dämonen befreit

Ein Zeuge von Jesu Macht und Liebe!
Gegen Ende der Zusammenkunft setzt sich ein Mann (der Einzige!) mit seiner Enkelin in die Runde. Er kommt gerade von der Arbeit. Heute hat er früher Feierabend gemacht, um die Christen zu treffen. Die anderen Männer sind noch an der Arbeit. Schade.

Chung erzählt die Geschichte des Mannes. Früher war er der Schrecken des Dorfes. Er war so gewalttätig, dass ihn die Dorfbewohner manchmal in seinem Haus eingesperren mussten. Es kam vor, dass er bei seinen Zornanfällen mit der Axt auf die Leute losging. In diesen Momenten war er nicht Herr seiner selbst, das spürte jeder. Aber was tun gegen Dämonen und Besessenheit?!

In Kambodscha existieren viele Rituale, um Geister zu besänftigen. Doch nichts wirkte. Eines Tages entschloss das OMF Team, bewusst und ausdauernd für den Mann zu beten. Wie lange, weiß ich nicht. Chung fasste nur ganz locker zusammen: "Der Mann wurde durch Gebet befreit. Heute erkennt man ihn nicht wieder. Er ist ein richtiges Wunder!"

Was für eine Ermutigung für das Team. Welch ein Zeichen für die Macht von Jesus, der auch heute noch Menschen von dunklen Mächten (die real sind, auch wenn wir im Westen ja nicht mehr an sie glauben...) befreit!

Auf dem Rückweg bewundern wir die schöne Natur, den Sonnenuntergang und den aufgehenden Mond. Wie schön dieses Land ist.

Snacks und Wasser gehören zu jedem Treffen dazu!

Die Zuckerpalmen im Hintergrund sind typisch für Kambodscha

Die Sonne versinkt hinter den Reisfeldern

Zum Abschluss: Margret und ihr berühmt-berüchtigtes Auto...

Dienstag, 16. Juli 2019

Damals in Kambodscha - Was seitdem geschah

Ein kurzer Rückblick auf unsere Arbeit mit OMF in Snoul, wo wir von 2006-2009 lebten. Der Artikel fasst die Gründe, warum wir damals in diesem Ort mit der Arbeit begannen, gut zusammen und führt weiter, was seitdem geschah.

Link zu Artikel: Gemeindebau im ländlichen Kambodscha

Diese Woche werden wir dorthin fahren und hoffen, viele alte Bekannte wieder zu sehen. Ein Ehepaar aus den USA (die 2001 in Kratie unsere Teamleiter waren) halten die Stellung. Wir sind gespannt, was sie zu erzählen haben.

Teamfoto 2007. Good old time...

Austausch und Gebetstreffen mit Gemeindeleitern anderer Dörfer

Ganz wichtig: Musikunterricht. Khmer lieben Musik!

Wie man sieht: Gottesdienst am Sonntag Morgen.
Liederbücher, Bibeln, Obst - was braucht man mehr!

Montag, 15. Juli 2019

Über Kambodscha

Diese Infografik gibt einen guten Überblick über die Geographie und Besonderheiten von Kambodscha. (Klick aufs Bild für große Ansicht.)


Infografik Kambodscha

Was sonst noch wichtig ist

Auch wenn einige Teile der Geschichte besser bekannt sind als andere, war Gott die ganze Zeit am Werk.

Im zwölften Jahrhundert bauten die Priesterkönige die berühmten Tempel in Angkor und beherrschten weite Teile Südostasiens. In seiner größten Ausdehnung umfasste das Khmer-Reich das heutige Staatsgebiet von Kambodscha, das Mekongdelta, den Süden von Laos sowie das untere Thailand (Siam).

Das zwanzigste Jahrhundert war durch das Regime der Roten Khmer (Khmer Rouge) geprägt. Fast zwei Millionen Kambodschaner verloren zwischen 1975-1979 ihr Leben.

In dieser Zeit wurde auch die junge kambodschanische Kirche fast ausgelöscht.

Immer noch ist Kambodscha eine der ärmsten Nationen der Welt. Trotzdem werden in vielen Bereichen Fortschritte erzielt.

Auch die Gemeinde Jesu ist in den letzten 15 Jahren stark gewachsen. Jedoch haben über 11.000 Dörfer immer noch keine Kirche und nur 1,16 % der Bevölkerung sind Christen.

Quelle: OMF International Deutschland

Freitag, 12. Juli 2019

Kuala Lumpur: Einstieg nach Ostasien

Um uns an die Zeitumstellung und das Klima in Asien zu gewöhnen, fliegen wir als erstes Ziel unserer Asienreise Malaysia an. Als "Landeier" (man kann Mücke mit Fug und Recht als "ländlichen Raum" bezeichnen) wollen wir gerne Großstadt erleben.

Man findet immer wieder die genialsten Namen für normale Geschäfte...
Auch mit Malaysia sind Erinnerungen verbunden. Joachim war einst (2004) zu einer zweiwöchigen OMF-Schulung in der Hauptstadt Kuala Lumpur. Als uns seine Schwester Renate ein paar Jahre später in Kambodscha besuchte, fuhren wir zusätzlich gemeinsam nach Malaysia in die Ferien. Damals verbrachten wir die ersten Tage in der Hauptstadt, anschließend ging es nach Cameron Highlands in die kühlen Berge, wo OMF ein Ferienhaus hat.

Das beste Rezept gegen Jetlag ist es, nach der Ankunft der Müdigkeit nicht nachzugeben. Also machen wir uns direkt nach der Ankunft in der glühenden Mittagshitze auf den Weg in die Innenstadt (das Gästehaus von OMF liegt nur wenige Kilometer von den berühmten Petronas Twin Towers entfernt). Leider will uns keine Bus mitnehmen, denn Bargeld wird dort nicht akzeptiert. E-Tickets haben wir noch nicht. Also alles zu Fuß...

Auf dem Weg genießen wir leckeres Essen an einem Straßenrestaurant. In einem Supermarkt kaufen wir die ersten asiatischen Früchte: Mangos, Mangosteen, Ananas...

Später kommt eine Gruppe von Schülerinnen auf uns zu. Sie müssen eine Schulaufgabe erledigen und Touristen um ihre Meinung zu verschiedenen Kulturen befragen. Obwohl wir zu fünft sind, "stürzen" sie sich direkt auf Evelyn. Das Interview wird auf Video aufgezeichnet und bringt hoffentlich den Mädels hoffentlich eine gute Note...

Die malaysischen Mädels haben uns entdeckt...

...und fragen Evelyn aus!

Kostenlos: eine Art Baumkronenpfad mitten in der Hauptstadt!

Qual der Wahl:
Für welches der unendlich leckeren Gerichte soll man sich entscheiden?!

Nach dem Gottesdienst am Sonntag: Ausflug in die historische Altstadt...

Kein Ort ohne ein Selfie :-)

Letzter Abend: Ein riesiger Platz mit dutzenden Food-Trucks. Was für ein Genuss!

Montag, 1. Oktober 2018

Déjà-vu-Erlebnis in Japan

An der Bibelschule in Hokkaido hatte er ein Déjà-vu-Erlebnis.

In den Gemeinden fehlt der Nachwuchs an Pastoren. Deshalb freute ich mich, das Hokkaido Bible Institute zu besuchen. Dort sind zur Zeit 14 Studierende in drei Jahrgängen eingeschrieben. Der dritte Jahrgang besteht jedoch nur aus zwei Studierenden.

90% aller japanischen Pastoren sind über 50 Jahre alt. Der Beruf eines Pastors ist nicht attraktiv, denn obwohl die Gemeinden nur klein sind, lastet viel Arbeit und Verantwortung auf ihnen.

In einer kleinen Bibliothek sitzen zwei Studenten in der Hitze und büffeln. Wir kommen miteinander ins Gespräch. Dabei stellt sich eine besondere Gemeinsamkeit heraus. Alle drei sind wir Predigersöhne. Der Vater des einen arbeitet seit 20 Jahren in einer kleinen Gemeinde, die von OMF gegründet wurde. Der Vater des anderen ist „Zeltmacher“. Sein Geld verdient er in einem säkularen Beruf, die Gemeinde leitet er in seiner „Freizeit“.

Drei widespenstige Predigersöhne...
Ich erzähle den Beiden, dass ich nie in die Fußstapfen meines Vaters treten und in einen vollzeitlichen Dienst gehen wollte und dann doch Missionar wurde. Sie grinsen. „Das wollten wir auch nicht. Gott hat uns aber keine Wahl gelassen!“

Manche Dinge wiederholen sich auch in anderen Kulturen… Und das ist gut so!

Samstag, 1. September 2018

Dem Tod von der Schippe gesprungen...

Ich besuche eine Bibelschule, das Hokkaido Bible Institute. Dort studieren zur Zeit 14 Männer und Frauen in drei Jahrgängen. Die meisten Dozenten unterrichten nur wenige Fächer, da sie nebenbei noch eine Gemeinde leiten. Der Vorteil ist, dass Theologie und Lehre so immer einen Bezug zur Praxis haben.
v.L.: Musiklehrer, Dozent Michael Widmer (Schweiz), Verwaltungsleiterin der Bibelschule




Während ich mir das Konzept der Bibelschule erklären lassen, setzt sich ein älterer Herr zu uns. Ich gehe davon aus, dass er einer der Dozenten ist, doch ich liege falsch. Eigentlich ist er Musiklehrer. Vor einiger Zeit wurde er plötzlich schwer krank. Sein Leben stand auf Messers Schneide. Doch Gott griff ein und machte ihn wieder gesund. Aus Dankbarkeit schenkte er Gott seine letzten Berufsjahre und lässt sich jetzt für den Dienst in einer Gemeinde ausbilden. Ein Senior als Juniorstudent. Wie krass ist das!
Bibliotheken sind eine feine Sache... Überall auf der Welt!
 Die Bibelschule erweitert und erneuert seine Bibliothek. OMF hat sich entschieden, diese Maßnahme auch finanziell zu unterstützen. In diesem Video stellt Dozent Michael Widmer das Projekt vor.

Mittwoch, 22. August 2018

Jesus Freaks Japan - Experten für Jüngerschaft

Heute steige ich in Sapporo in die U-Bahn und mache mich auf den Weg nach Zenibako. Dort leben JP und Nora Koch mit Leo und Eva. Die Familie wird unter anderem von den Jesus Freaks Gießen unterstützt. Ihr Herz schlägt für Freaks aller Art…

Wir sind fast da, man sieht schon das Meer.
Familie Koch war letztes Jahr im Heimataufenhalt unsere Nachbarn in Flensungen. Ich bin gespannt, sie in ihrem japanischen Umfeld zu treffen.

JP holt mich am Bahnhof ab. Sie wohnen in einem Häuschen, ziemlich nah am Meer. In der Umgebung werden gerade neue Bauplätze erschlossen, fast alle Grundstücke sind schon verkauft. Eine neue Nachbarschaft ist immer eine neue Chance.

Als wir ankommen, tobt Leo mit zwei japanischen Freunden auf einem Trampolin vor dem Haus. Wir gehen hinein, Nora hat gerade Besuch. Eine Nachbarin steht kurz vor der Entbindung, ihre Schwester ist zum Helfen gekommen. Beide Frauen sind immer wieder bei Nora. Auch zu anderen Müttern ist die Beziehung super.

Jesus und die Sekten

Nora hat immer wieder Möglichkeiten, ihren Nachbarinnen von Jesus zu erzählen. Es ist genau wie bei uns: manche finden es gut, andere sind zurückhaltend. Denn viele Japaner haben Angst vor Sekten.

Immer wieder höre ich in Gesprächen, welchen Schaden die Aum-Sekte der christlichen Mission zugefügt hat. 1995 starben 13 Menschen bei einem Giftgasanschlag in der U-Bahn in Tokio, 6000 wurden verletzt. Aus diesem Grund sind viele Japaner (zu recht!) skeptisch, wenn ihnen eine neue Religion angeboten wird...

Eva und ihr Papa im Büro im Keller
Eva schleppt mich durchs Haus, zeigt mir ihr Zimmer und ihre Spielsachen und verdonnert mich, ein paar Minuten mit ihr zu spielen :-)

Jüngerschaft - Zukunft für Japans Gemeinden

JP versucht, ein Jüngerschaftsprogramm voran zu bringen. Dies ist seiner Meinung nach ein wichtiger Weg für schnelleres Wachstum der japanischen Gemeinde. Das Ziel des Kurses ist, Christen zu ermutigen, ihren Glauben weiterzugeben, auch wenn sie zum Teil noch nicht lange an Jesus glauben.

Die Idee dahinter: Man muss nicht lange Jahre warten, bis man im Glauben „reif genug“ ist. Jeder kann anderen das Evangelium erklären, auch wenn er Jesus erst seit einem Tag kennt! (Mehr dazu in diesem Beitrag von JP Koch auf der Homepage von OMF Deutschland).

Während dem Jüngerschaftskurs erstellen die Teilnehmer unter anderem eine „Beziehungslandkarte“. Das ist eine Art MindMap, in der jeder die Leute aufschreibt, zu denen er eine engere oder weitere Beziehung hat: Familie, Nachbarn, Freunde, Kollegen… Dann betet man für die Leute und sucht Wege, ihnen von Jesus zu erzählen.

Eine Frau kontaktierte innerhalb von zwei Wochen nach dem Kurs alle (!) Leute auf ihrer Karte. Sie lud sie in ihre Gemeinde ein. Dort erzählte sie ihnen, was Jesus für sie bedeutet. Fast alle waren erstaunt, von ihrem Glauben zu erfahren. Sie hatten keine Ahnung, was das Christentum lehrt und wer Jesus ist.

Eine andere Frau sollte von ihrer Firma versetzt werden. Da sie gerade begonnen hatte, ihre Freunde in der Umgebung für Jesus zu gewinnen, kündigte sie kurzerhand ihre Stelle. Jetzt lebt sie von Sozialhilfe. Sie nutzt die gewonnen Zeit, um Obdachlosen im Park von Jesus zu erzählen. Einige sind durch sie sogar schon zum Glauben gekommen. Sie will jetzt die Stadt anfragen, ob sie nicht als Sozialarbeiterin angestellt werden kann?

Noch eins zum Abschied
Nach dem Abendessen trinken Nora und ich noch ein Bier miteinander (JP muss mich ja noch mit dem Auto zum Bahnhof bringen ;-) . Dann fahre ich wieder zurück. Schön wars! Danke, liebe Kochs, für den Einblick in euer Leben!

Impressionen aus Zenibako


Guten Appetit, Leo!
Taxis am Bahnhof warten auf Kundschaft

Zenibako Nightlife. Eher mager...

Das Transportsystem ist unschlagbar!

Dienstag, 21. August 2018

30 Jahre Pastor und immer noch Ziele vor Augen!

Heute geht es nach Obihiro. Ich möchte Gemeindearbeit auf dem Land kennenlernen und habe mir dazu dieses Städtchen und den Außenort Otofuke ausgewählt. Die deutsche Missionarin Beatrix Neblung hat dort lange gearbeitet.

Blick aus dem Busfenster
Von Sapporo aus dauert die Fahrt mit dem Bus vier Stunden. Die Gegend ist fast wie bei uns. Die Straße steigt an, in den Tälern liegen Wolken und Nebel. Unterwegs sehe ich nur selten Siedlungen oder Dörfer. Die Landschaft ist geprägt von Bergen, Wald, Wiesen und manchmal einem Fluß. Der Unterschied zu Deutschland ist, dass wir lange Abschnitte durch einsame Abschnitte fahren.

Simon Huser, ein Schweizer Missionar, holt mich am Busbahnhof in Obihiro ab. Wir fahren zusammen in die Gemeinde, wo Pastor Murata mit seiner Frau zu einem Gespräch bereit sind. Ich hatte mich nur auf eine Begegnung mit Missionaren eingestellt. Deshalb bin ich etwas überrascht, freue mich aber, dass er sich trotz seiner vielen Arbeit Zeit für mich nimmt.

Pastor Murata ist Christ in der dritten Generation. Das bestätigt meine Theorie, dass das Evangelium mehrere Generationen braucht, um die Gesellschaft (in diesem Fall eine Familie) ganz zu durchdringen.

Gemeindegründung in Partnerschaft zwischen japanischen Christen und OMF

Pastor Murata aus Obihiro und seine Frau
Die Gemeinde in Obihiro war die erste, die in Partnerschaft zwischen OMF Missionaren und einem japanischen Pastor (ihm!) gegründet wurde. Seit 30 Jahren ist er nun Pastor dieser Gemeinde von etwa 70 Gottesdienstbesuchern. Es gibt eine Jungschar, einen Studentenkreis, einen Mutter-und-Kind-Kreis und eine Gehörlosengruppe.

Neuerdings wurde ein monatliches Gemeinde-Café eingerichtet, zu dem die Nachbarn eingeladen werden. Das Ziel ist, die Hemmschwelle zu Nichtchristen zu senken. Pastor Murata ist es wichtig, dass auch die Nachbarn einen „Nutzen“ von der Gemeinde haben. Er möchte, dass die Gemeinde dem Ort gut tut.

Eine Vision für sterbende Dörfer

Kirchengebäude in Obihiro
Pastor Murata hat eine Vision für die gesamte Region. Es gibt Tochtergemeinden an zwei Orten: in Otofuke und in Nakasatsumai. Es gibt weitere 17 Orte in der Region, die zum Teil ohne eine christliche Gemeinde sind. Manche Dörfer sterben aus, weil die jungen Leute in die Städte ziehen. Pastor Murata fragt: wie können die Menschen in diesen Dörfern trotzdem erreicht werden? Seine Frau und er sind pausenlos unterwegs. Unter anderem besuchen sie regelmäßig ein Dorf, das über eine Stunde entfernt ist, um Jungschar für ein (1!) Kind anzubieten. Das ist es ihnen wert.

Es ist schön zu hören, dass deutsche Missionarinnen in den vielen Jahren Spuren hinterlassen haben. Beatrix Neblung und Conny Stöckle sind nur zwei davon.

Abends lese ich einige alte Gebetsbriefe von Bea. Sie schreibt sehr interessant und schildert in ihren Briefen viele Erlebnisse von Japanern auf ihrer geistlichen Reise zu Jesus. Es dauert lange, bis Japaner verstehen, wer Jesus ist. Ich lese unfassbare Sätze wie: „Es ist erstaunlich, wie sehr sich Frau XY in den letzten fünf (!) Jahren für die Gute Nachricht geöffnet hat…“ Ich hätte nicht die Geduld, um Menschen so lange zu begleiten und dann auch noch Fortschritte wahrzunehmen...
Gruppenbild mit Simon und Kaori Huser mit Timo (ganz links und rechts)

Video über die Gemeinde in Obihiro




Meine erste Predigt auf Japanisch ;-)
Wen es interessiert: die Gemeindeküche

Sonntag, 19. August 2018

Japanischer Gottesdienst in Hanamaki

Dieses Haus ist Wohnhaus und Gemeindehaus (zum Vergrößern auf die Bilder klicken)

Renate und Peter: Ihr seid die Besten!







Ich bin bei Peter und Renate Yonge in Hanamaki zu Besuch. Renate ist Deutsche, Peter ist Engländer. Sie sind seit gefühlten 30 Jahren Missionare in Asien und haben unendlich viel Erfahrung!

Ich darf bei ihnen einen japanischen Gemeindesonntag miterleben. Durch Obon, ein großes japanisches (Geister-) Fest und die damit verbundenen Ferien, kommen jedoch nur ungefähr 10 Personen.





Eine anschauliche Predigt

Daniel Lau lebt seit fünf Jahren in Japan
In der Predigt geht es darum, wie Gott in einer Vision die Mauern Jerusalems auslotet. So, wie er Wert darauf legt, dass die Mauern gerade sind, so soll auch unser Leben „gerade“ sein, ausgesondert für Gott.

Daniel Lau aus Singapur predigt sehr anschaulich. Er ist ursprünglich Ingenieur und hat extra für die Predigt ein Bleilot gekauft, mit dem er die Botschaft illustriert.

Diskussionen beim Mittagessen

Als es im Anschluss an den Gottesdienst gemeinsames Mittagessen gibt, setzen sich Frauen und Männer an getrennte Tische.

Die Frauen diskutieren darüber, ob man sich als Christ wirklich in so vielen Dingen von den anderen unterscheiden müsse?

Bei solchen Fragen ist guter Rat teuer...
Der Grund der Frage: gerade ist das Obon-Fest vorbei, eines der größten Feste des Landes. Man glaubt (d.h., viele Japaner glauben eigentlich selber nicht daran, aber sie begehen das Fest trotzdem), dass bei diesem Fest die Geister aus dem Totenreich zurückkehren, um sich von den Verwandten mit Nahrung versorgen zu lassen. Dazu müssen Japaner an ihre Heimatorte zurückkehren. Es werden dann große Familientreffen gefeiert.

Inwiefern muss man sich als Christ aus diesen Feiern und Zeremonien ausklinken? „Wir beten ja nicht zu den Geistern. Wir stehen nur da und folgen der Form, nicht dem Inhalt.“

Es ist für Missionare fast unmöglich, solche Fragen zu beantworten. Japanische Christen müssen sich eigentlich selber beraten und gegenseitig helfen, denn sie sind von diesem Problem hautnah betroffen.

Ich sehe, wie wichtig diese gemeinsame Mahlzeit nach dem Gottesdienst für ihren Alltag in einem buddhistischen bzw. schintoistischen Umfeld ist. Oft tauschen sich die Frauen persönlich aus und beten füreinander.

"Jesus gibt mir Halt im Leben!"

Gespräch unter Männern. So wünsche ich mir Gemeinde!
Die Männer führen ein ganz anderes Gespräch. Ein älterer Herr kommt seit etwa drei Jahren in die Gemeinde, aber sich noch nicht für ein Leben mit Jesus entschieden. Er hat beobachtet, dass Christen eine besondere Stabilität im Leben haben. Er wundert sich darüber und fragt in die Runde: „Ist das nicht das Ergebnis von jeder Religion?“

Die anderen Männer gehen respektvoll darauf ein. Sie erzählen von ihrem Alltag mit Jesus. Sie erklären, dass der Halt ihres Lebens kein Ergebnis von „Religion“ ist, sondern aus der persönlichen Beziehung zu Jesus kommt.

Es ist schön, zu beobachten, wie ernsthaft und gleichzeitig persönlich sie von ihrem Glauben erzählen. Es ermutigt mich solchen Christen zu begegnen und fordert mich heraus, in Deutschland ebenso praktisch von Jesus zu reden.

Moderne und Tradition: Gegensätze?

Ein tiefer Denker (rechts ;-) )
Als gegen 15 Uhr schließlich alle Besucher wieder gegangen sind, sitzen wir noch mit einem etwa 25jährigen jungen Mann zusammen und unterhalten uns über Japan, Geschichte, Gott und die Welt. Er hat ein breites Wissen über die Religion und Kultur des Landes und kann das gut vermitteln. Erstaunlich, wie er die japanische Volksseele analysiert.

Schlüsseldaten der japanischen Kirchengeschichte sind die Jahre 1865 und 1945. In beiden Fällen wuchs der ausländische (amerikanische!) Einfluss auf Japan. Der junge Mann sagt: "Japan hat von den Ausländern die Technologie und den Fortschritt angenommen. Das ursprüngliche Weltbild hat sich aber nicht verändert." So vereint ein Japaner altes und neues Denken, modernste Technik und Jahrtausende alte Tradition.

Freitag, 17. August 2018

ICE oder Shinkansen: Wer macht das Rennen?

Freitag, 17. August 2018

Bis zu 320 km/h: Japanischer Shinkansen
Der Vormittag vergeht mit Gesprächen mit mehreren Leitern von OMF Japan. Nach dem Mittagessen begleitet mich Sho Sugaya, der im Oktober übrigens Referent beim deutsch-japanischen Missionsfest in Mücke sein wird, mit der U-Bahn zum Bahnhof in Tokio. Er leitet mich durch das Gewirr aus unterirdischen Gängen und Menschen.

Schließlich komme ich an meinem Bahnsteig an. Ich werde mit dem Shinkansen, einem japanischen Hochgeschwindigkeitszug, nach Hanamaki fahren. Die Züge können bis zu 320 km/h fahren. Als „guter Deutscher“ bin ich natürlich gespannt, ob ein Shinkansen komfortabler und bequemer ist als ein ICE.
Die Züge fahren auf die Sekunde (nicht: Minute!) genau!

Ich habe eine Reservierung: Wagen 8, Platz 10. Am Bahnsteig finde sofort die exakte Stelle, an der Wagen 8 zum Stehen kommen wird. Nachdem der Zug eingefahren und die Fahrgäste ausgestiegen sind, dürfen wir aber noch noch nicht einsteigen.

Ein Reinigungstrupp geht durch die Waggons, fegt den Boden, staubt die Sitze ab und wechselt die Schutztücher der Kopfstützen. Anschließend werden alle Sitze umgedreht, denn die Fahrtrichtung ändert sich für unsere Strecke. Verrückt!
Klug: Rechts stellen sich die Pasagiere an, die mit dem nächsten Zug fahren. Links diejenigen, die mit dem übernächsten Zug fahren.

Erst als die Putzkräfte den Zug verlassen haben, dürfen wir einsteigen. Es ist wirklich luxuriös. So viel Beinfreiheit hatte ich noch nie in einem Zug. Die Sitze sind breit und bequem. Vor jeder Haltestelle ist eine Ansage: der nächste und auch der übernächste Stopp wird angesagt. Clever. 

Glücklich, weil die Beine nicht einschlafen wie im Flieger :-)
Wir fahren unter anderem durch Sendai und Fukushima. Das Leben in Fukushima scheint nach dem, was ich aus dem Zug beobachte, wieder normal zu sein. Was ich erst abends über Instagram erfahre: eine Bekannte aus Deutschland ist gerade zu dieser Zeit von der Uni aus in Fukushima. Schade, dass wir uns nicht gesehen haben.

In Hanamaki holen mich Peter und Renate Yonge ab. Jetzt bin ich in der Region Tohoku. Der nächste Teil meiner Reise beginnt.

Dieser Halt: Fukushima
Blick aus dem Fenster: Stadt
Blick aus dem Fenster: Land
Hier der Beweis: Mindestens 20 cm bis zum Vodersitz :-)