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Sonntag, 15. Juni 2014

C. S. Lewis - christlicher Denker mit weitem Horizont


Dieses Buch ist ein Mammutwerk: 439 Seiten Biographie, 50 Seiten Anhang, 15 Seiten Bibliografie mit Primär- und Sekundärwerken, über 40 Abbildungen aus Lewis’ Leben und aus seiner Zeit. 

Lewis wird in seiner ganzen Komplexität dargestellt: Literaturwissenschaftler, christlicher Apologet und Narnia-Schöpfer; außerdem Freund berühmter Zeitgenossen und „Ehemann“ von Joy Davidman. 

Wer bisher noch keine Biographie von ihm gelesen hat, ist mit diesem Buch gut bedient. Die Lebensthemen von Lewis werden gut herausgearbeitet: sein akademisches Wirken als Literaturwissenschaftler; seine langsame und widerwillige Bekehrung; sein beginnender Einfluss in England als Verfechter des christlichen Glaubens. Im letzten Kapitel geht McGrath auf das neue Interesse an den Gedanken von Lewis’ ein, besonders im amerikanischen Raum („Das Lewis-Phänomen“). 

McGrath steht als einem der ersten Biographen der gesamte erhaltene Schriftverkehr Lewis’ zur Verfügung, aus dem er ausführlich zitiert. Die 3500 Seiten Briefe, editiert vom Amerikaner Walter Hooper, seines Zeichens Sekretär und literarischer Nachlassverwalter, wurden erst zwischen 2000 und 2006 veröffentlicht. 

McGrath ist kein Zeitgenosse von Lewis wie einige Biographen vor ihm; trotzdem spürt man ihm seine Bewunderung für den Denker an vielen Stellen ab. Macht ihn dies für Unkorrektheiten und Schwächen in Lewis’ Leben und Werk blind? 

C.S. Lewis, wie man ihn kennt
Während in anderen Biographien auch logische Fehlschlüsse in den apologetischen Schriften angeprangert werden, macht sich McGrath zum Fürsprecher an Stellen, bei denen er den Autor „missverstanden“ glaubt. 

Er stellt auch die fragwürdige Beziehung zu Mrs Moore dar, thematisiert aber, im Gegensatz zu anderen Darstellungen, eine mögliche erotische Beziehung in keiner Weise. 

Im Gegenzug werden seiner späteren Frau Joy Davidman eigensüchtige Motive in ihrer Beziehung zu Lewis vorgeworfen. Die Beweislage zu diesen Vorhaltungen (eigentlich war nur eine Scheinehe abgesprochen) sind jedoch gut recherchiert und nachvollziehbar. Trotzdem bekommt man den Eindruck, McGrath wolle seinen Schützling im Nachhinein vor diesem kapitalen Lebensfehler bewahren. 

Der Autor: Alister McGrath
Diese Schwachstellen schmälern aber meiner Meinung nach den Wert dieser Biographie nur unwesentlich. Das Buch ist gut lesbar, öffnet die Gedankenwelt des genialen Wissenschaftlers und eindrucksvollen Apologeten. Mir hat es Lust gemacht, mich erneut in Lewis' Schriften zu vertiefen. 

Alister McGrath 
C. S. Lewis - Die Biografie: Exzentrisches Genie. Prophetischer Denker
Brunnen Verlag Basel, 1. Auflage Februar 2014
496 Seiten, gebunden, 24,99 Euro
ISBN 978-3765518065

Mittwoch, 30. April 2014

Ein moderner Jesus

Gibt es auf Erden noch Glauben an Gott? Falls ja, wo ist er zu finden? 

Jesus begegnet innerhalb einer Woche sechs Personen aus unterschiedlichen Milieus und Anhänger unterschiedlicher Konfessionen. Einige sind ganz normale Menschen, andere „beruflich religiös“. Jesus begegnet ihnen in ihrem Alltag, lässt sie Wunder sehen, versucht sie, zu gewinnen. Denn Wunder bewirken nicht zwangsläufig Glauben, ebenso wenig wie tägliche Beschäftigung mit Bibel und Theologie. Manchmal wird der Glaube an Gott auch einfach von tragischen Lebensführungen verschüttet.

Ich habe das Buch gleich zweimal gelesen, so tief sind die Dialoge. Mir begegnet ein „moderner“ Jesus, wie ich ihn auch aus der Bibel kenne: jedem Menschen freundlich zugewandt und respektvoll, gleichzeitig unbequem. Er stellt jeden der Besuchten vor die Entscheidung, „ihm nachzufolgen“, um es mit einer biblische Vokabel zu beschreiben. Die Dialoge werden auf Augenhöhe geführt und gute Gründe für den Glauben ins Feld geführt. Die Entscheidung für oder gegen Jesus muss jedoch jeder selber treffen.

Die Mischung aus hochwertiger Aufmachung (Leineneinband, wunderschönes Schriftbild), ansprechendem Schreibstil und intelligenter Story gefällt mir. Lange hatte ich gerätselt, wie der Autor die versprochene „Wiederkunft Jesu“ umsetzt und hat mit den letzten Zeilen für eine gelungene Überraschung gesorgt.


Fazit: Für dieses Buch gebe ich gerne fünf Sterne! 

Melvin J. Sandström 
Der Eindringling
Brunnen Verlag Basel, 1. Auflage Februar 2014
208 Seiten, gebunden, 12,99 Euro