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Freitag, 31. August 2012

Mehr als Studium, Job oder Asyl

Asiaten sind Teil unserer Gesellschaft. Wie können wir ihnen von Jesus weitersagen? 

Die Arbeit unter "Asiaten in der Diaspora" (d.h., in der Fremde) gehört schon lange zur ÜMG.

Mit Beiträgen aus Deutschland, England und Kenia.

Donnerstag, 16. August 2012

Frauen in der Mission

Im aktuellen Ostasiens Millionen kommt Marlens Abschlussarbeit vom Theologischen Seminar St. Chrischona (TSC) zu neuen Ehren.

Ein spannendes Heft mit guten Artikeln.

Gleich lesen, hier am Bildschirm!


Donnerstag, 14. Juni 2012

Besuche, bis die Füsse schmerzen


Shopping-Paradies
Letzten Montag ging ich mit Elisabeth Weinmann auf Tour durch ihre Einkaufszentren. 

Wir kommen durch High-End Malls mit Outlets aller bekannten Schmuck- und Modemarken. Elisabeth besucht einzelne Frauen, um sie an den Mittwochs-Hauskreis zu erinnern und sie zu ermutigen. Aus den verschiedenen Zentren kommen jeweils 2-3 Frauen zu den Veranstaltungen. Wir kämpfen uns kilometerweit durch die einzelnen Stockwerke der riesigen Konsumtempel. Dann zurück auf die Strasse, wir überqueren riesige Kreuzungen, um zum nächsten Kaufhaus zu kommen. Enttäuschung, wenn die Frau, die wir suchten, gerade heute ihren freien Tag hat oder in der Mittagspause ist. Ab und zu halten wir an, um mit einem Becher Eistee die verlorene Körperflüssigkeit nachzufüllen. 

Kurz ausruhen und gleichzeitig
neues Material vorbereiten
Ich merke, wie an-strengend diese Arbeit ist. Nach einer Weile tun mir die Füsse weh. Elisabeth erklärt mir, wie wichtig es ist, einmal monatlich an allen Ständen vorbeizu-gehen und Literatur zu bringen. Nur durch regelmässige Begegnungen wächst Vertrauen zueinander. Nur, wenn Vertrauen da ist, lassen sich die Frauen irgendwann auch zu einem Kreis einladen. 

Obwohl Elisabeths Arbeit zu den "Erfolgsmodellen" der ÜMG in Taiwan gehört, wiegelt sie ab: "Im Vergleich zu dieser riesigen Masse von Verkäuferinnen haben wir noch gar nichts erreicht! Wir brauchen mehr Leute, die mithelfen! Am besten wäre mindestens eine Person in jedem Einkaufszentrum." 

Ich sehe und spüre ihre Liebe zu diesen Frauen. Ihre Leidenschaft für diese Menschen, die so oft übersehen werden, berührt mich. Würden nur noch mehr Menschen ihr Leben opfern, hingehen und so der Not dieser Menschen durch persönliche Zuwendung begegnen. 

Als Kunde sieht man nicht in die
Einsamkeit dieser Menschen hinein
An einem Stand mit Marken-mode treffen wir ein junges, hübsches Mädchen. Ihre Augen strahlen, als sie Elisabeth kommen sieht. Elisabeth nimmt sie in den Arm, die Beiden reden miteinander. 

Ich bin neugierig und möchte mehr über die junge Frau erfahren:

"Wo kommst du her?" 
"Ich komme aus China, bin erst seit kurzem in Taiwan."
"Leben deine Eltern noch? Hast du Geschwister?"
"Ja, aber die sind alle in China." 
"Hast du keine Verwandten hier? Bist du dann nicht einsam?"
"Ja, ich bin sehr einsam", gibt sie zu. "Aber ich habe Elisabeth!" sie und drückt ihre Hand. 

Ein paar Stockwerke höher treffen wir eine andere junge Frau. Sie verkauft Cremes und Seifen; die Firma macht mit grossen Bildern des Hasen-Bilderbuchs: "Weisst du eigentlich, wie sehr ich dich liebe?" Werbung. Wie bekannt dieses Buch wohl in der chinesischen Welt ist und wie viele Kunden sich davon anziehen lassen??

Auch hier wieder herzliches Gespräch. Als wir ans Ende des kurzen Besuchs kommen, zeigt das Mädchen auf mich: "Ich möchte, dass der Ausländer für meine Arbeit betet. Niemand kauft meine Produkte, das macht mir grosse Sorgen. Wie soll ich meinen Umsatz zusammen bekommen? Ich weiss nicht, was ich machen soll." 

Ich weiss auch nicht so richtig, was ich beten soll, denn ich kann nicht nachvollziehen, wer diese Cremes und Sälbchen zu überteuerten Preisen kaufen will… Aber Gott kennt die Not dieser Frau und möchte, dass wir mit allen unseren Sorgen zu ihm kommen, sieben Tage die Woche. Also bete ich und überlasse es Gott, wie er das Problem lösen wird…

Nach mehreren Stunden machen wir uns mit schmerzenden Füssen auf den Heimweg und kehren zum Mittagessen im Gemeinde-Restaurant ein. Eine Stunde kann ich mich ausruhen, dann geht es weiter zu meiner nächsten Begegnung...
Das kleine Restaurant des Zentrums.
Das Essen ist lecker! 

Mittwoch, 13. Juni 2012

Was für eine Art von Gemeinde braucht Frau Hu?

Frau Hu: rechts. Daneben: Elisabeth Weinmann.
Frau Hu ist Verkäuferin in einem großen Einkaufs-zentrum. Ihre Kinder sind tags-über in der Kita. Abends werden sie von den Grosseltern abgeholt und betreut.

Während der langen Arbeitsstunden im Kaufhaus wird von mehreren Seiten Druck auf sie ausgeübt. Frustrierte Kunden lassen ihren Frust an ihr aus. Ihr Abteilungsleiter drängt sie, die Produkte ihrer Marke zu verkaufen. Werden die Ertragsforderungen nicht erfüllt, droht schnelle Kündigung. Das macht ihr gerade im Moment grosse Sorgen, denn diesen Monat läuft der Laden sehr schlecht. Sie hat am 10. Juni erst 60.000 NT (1.500 Euro) ihres Monatsziels von 300.000 NT (7.500 Euro) erreicht.

Frau Hu ist froh, dass sie ihren freien Tag am Sonntag nehmen kann, denn die Geschäfte haben sieben Tage in der Woche geöffnet. Jeden Monat bekommt sie vier freie Tage. Braucht sie einen Extratag frei, muss sie den Lohn für ihre  Vertretung selber bezahlen.

Elisabeths Team aus taiwanesischen Mitarbeitern und einem anderen Missionarsehepaar hat die Zentren der Innenstadt unter sich aufgeteilt, in denen sie regelmässig von Stand zu Stand gehen, evangelistische Zeitschriften verteilen und die Frauen zu Nachtveranstaltungen einladen. Mittlerweile gibt es ein Netzwerk von neun Kleingruppen in verschiedenen Einkaufszentren. Wenn Frauen ihren Arbeitsplatz wechseln, werden sie an einem anderen Ort aufgefangen.

Warum baut Elisabeth Gemeinden und Hauskreise unter diesen Verkäuferinnen auf? Weil das Programm der traditionellen Gemeinden an den Bedürfnissen dieser grossen Bevölkerungsschicht vorbeigeht: 
  • Gemeinden treffen sich Sonntag Vormittags, wenn der Arbeitstag dieser Frauen beginnt. 
  • Im Mittelpunkt der Predigt steht oft Lehre und Theorie; die Frauen brauchen eine einfache, praktische, interaktive Botschaft und Menschen, die sie ernstnehmen. 
  • Gottesdienste gehen oft feierliche zwei Stunden lang. Dabei fallen erschöpften Frauen die Augen zu…
Gebetsgemeinschaft im Café
Wie so ein Gottesdienst aussieht, sehe ich noch in der selben Nacht. Um 20 Uhr treffen sich die Mitarbeiter in einem Café, um bei einem Getränk miteinander für diese Frauen und den bevorstehenden Gottesdienst zu beten. In insgesamt sieben Gebetsrunden bringen wir die verschiedenen Einkaufszentren der Stadt und weitere Anliegen vor Gott. Das Gebet ist ernsthaft und ausdauernd, Zeit spielt keine Rolle.

Als wir um halb zehn fertig sind, gehen wir in einen Gottesdienstraum im vierten Stockwerk (den einzigen kirchlichen Raum weit und breit, weil die Mieten horrend teuer sind), welcher der Gruppe auf wunderbare Art zur Verfügung gestellt wurde. Stuhl um Stuhl wird von müden Verkäuferinnen besetzt, deren Läden gerade erst geschlossen haben. 

Leider bleibt die Zahl der Besucher an diesem Abend klein (wir sind alle zusammen nur 17 Personen). Es wird viel gesungen, sehr viel gebetet (beides im Stehen - in Asien wird Gott nicht im sitzen angebetet wie bei uns in Deutschland..). Da nicht nur die Frauen, sondern auch ich sehr müde bin, bekomme ich von der kurzen Predigt nur wenig mit. (Es könnte natürlich auch daran gelegen haben, dass ich kein Chinesisch kann…)

Spät in der Nacht kommen wir wieder nach Hause und ich beginne zu verstehen, warum Elisabeth bewusst ist, wie herausfordernd diese Arbeit für Missionare ist:
  • Die Arbeitszeiten sind extrem unkonventionell (sprich: unregelmässig). 
  • Die Menschen sind spontan (es kann gut vorkommen, dass man mitten in der Nacht aus dem Bett geklingelt wird oder zu irgendwelchen Notfällen gerufen wird). 
  • Die Gemeinschaft untereinander ist eng, denn man braucht sich als Team. Das hält nicht jeder aus.
Es werden dringend weitere Mitarbeiter gebraucht, auch aus Deutschland und der Schweiz. "Am geeignetsten wären Mütter, denn die haben all diese Herausforderungen in ihrem Leben bereits gemeistert", lacht sie.