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Samstag, 19. April 2014

Endlich: Stille Zeit mit Comic!

Coffee with Jesus von David Wilkies "Radio Free Babylon"


Erwartet hatte ich ein entspannendes Buch für kurze Pausen, wenn man nur Zeit für ein paar kurze Comic-Strips hat. Erhalten habe ich eine geballte Ladung an witzigen, kurzen, kernigen Dialogen, die manche typische Eigenheit der westlichen Christenheit in ihrer Flachheit entlarven. In einer knappen Antwort von „Jesus“ steckt oft mehr Inhalt als in vielen, wortreichen Predigten. Oft lenken sie mein eigenes Denken in eine neue Richtung.

Manchmal muss ich grinsen, wenn moderner Frömmigkeitsstil wunderbar aufs Korn genommen wird. An anderen Stellen fühle ich mich in meinem eigenen seltsamen Denken ertappt. 

Bis auf ganz wenige Ausnahmen ist die Adaption der vier-Bilder-Geschichten aus dem amerikanischen Sprachraum in die deutsche Kirchenkultur gut gelungen. Unglaublich, wie viel Tiefgang in vier (immer gleich bleibenden) Bildern mit wenigen Worten vermittelt wird. 

Zwei Beispiele, die mir gut gefallen haben: 


Joe: Etwas mehr Liebe, etwas mehr Freude, etwas mehr Frieden, etwas mehr Geduld, etwas mehr Güte, etwas…
Jesus: Mal langsam, Joe.
Joe: Herr?
Jesus: Warum denn nur „etwas“? Mach da ruhig ein Maxi-Menü draus. Das volle Programm!

Lisa: In dieser einen Sache müsste ich unbedingt bald mal etwas von dir hören, Jesus.
Jesus: Wirst du auch, Lisa. 
Lisa: Das ist echt gut zu wissen. Und wann bekomme ich meine Antwort?
Jesus: Wenn du aufhörst, dir vorzustellen, die Antwort sei „Ja“.


David Wilkie
Coffee with Jesus
Brunnen Verlag Basel; 1. Auflage März 2014
120 Seiten, broschiert, 11,60 Euro

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Freitag, 21. März 2014

Studientag: Fokus Vietnam (5. April 2014 in Gießen)

Vietnam fasziniert mich. Deshalb freue ich mich besonders auf die vielen Veranstaltungen, die wir mit der ÜMG im April durchführen werden.

Für jeden Besucher haben wir eine Exemplar dieses Heftes gedruckt. Du kannst es jetzt und hier schon lesen...

Falls du noch nicht weisst, von welcher Veranstaltung ich spreche: klicke hier

Mittwoch, 19. März 2014

Rezension: Duc, der Deutsche

Ein Blick in die Vergangenheit, kaum Bezug zur Gegenwart 

Ich gehöre nicht zu der Generation, deren wilde Jugend mit dem Vietnamkrieg zusammenfiel und habe keine friedensbewegten Zeiten hinter mir. Dieser Krieg ist für mich Geschichte.

In den letzten Jahren ist mein Interesse an Vietnam jedoch beständig gewachsen. Wirtschaftlich und politisch aufstrebend, ist dieses Land nach China die Nummer zwei. Aus diesem Grund hatte diese Buchankündigung mein Interesse geweckt in der Hoffnung, das Land im Licht der Geschichte besser zu verstehen.

Schon nach wenigen Zeilen ist klar, warum der in den USA lebende Siemon-Netto auf eine beeindruckende Karriere als Journalist zurückblicken kann. Mit wunderbar eloquenter Feder berichtet er von berührenden und erschreckenden Kriegserlebnissen. Er war keiner derjenigen Reporter, die aus der Sicherheit ihrer Hotels Einschätzungen zur militärischen Lage von sich gaben. Er nutzte jede Gelegenheit, um sich vor Ort ein eigenes Bild von den Vorgängen zu verschaffen und sich im Gespräch mit Soldaten, Generälen und Politikern zu informieren. Es sind die persönlichen Begegnungen, die Gespräche, seine Augenzeugenberichte, aber auch militärische Reflexionen, die dieses Buch lebendig machen.

Trotzdem stellt sich mir nach der Lektüre des Buches die Frage nach dem Sinn dieser Publikation im deutschen Sprachraum. Es scheint anachronistisch, 40 Jahre nach dem Ende dieses Krieges ein Buch zu veröffentlichen, dessen Bericht mit Siemon-Nettos letzten Besuch in Vietnam im Jahr 1972 endet.

Damit ist klar, dass die Frage, wie die blutige Geschichte das heutige Vietnam geformt hat, ausgeklammert ist. Weder wird der Leser über die heutige politische Situation aufgeklärt, noch darf er einen Blick in die (noch immer traumarisierte?) Volksseele werfen. In keinem Exkurs geht er auf die bedeutenden vietnamesischen Auslandsgemeinden (USA, Deutschland etc.) ein. Das Buch bleibt fast vollständig in der Vergangenheit stehen, von einigen wenigen Parallelen zu heutigen Krisenherden (Afghanistan, Irak) abgesehen.

Augenzeugen und Historiker werden in diesem Buch Dinge lesen, die ihnen in anderen Quellen vielleicht vorenthalten wurden (Siemon-Netto führt in diesem Buch außerdem einen - m.E. berechtigten - Kampf gegen ideologisch motivierten Journalismus). Doch so spannend die Erlebnisse zu lesen sind, bleiben trotzdem viele Fragen offen. Der Klappentext, dieses Buch sei eine „Liebeserklärung an das vietnamesische Volk“, ist wahr. Aber es ist eben doch eine Liebe zu den Vietnamesen der Siebzigerjahre und nicht zum Vietnam des 21. Jahrhunderts.

Und das ist mir zu wenig.

Bibliographische Angaben:
Duc, der Deutsche: Mein Vietnam. Warum die Falschen siegten
Brunnen Basel, 1. Auflage (Februar 2014)
320 Seiten mit 37 Fotos, 15,99 Euro

ISBN 978-3765520242

Montag, 7. Oktober 2013

Ein Männerbuch, das Spaß macht (Rezension)

Zum Abschalten brauche ich Geschichten, die mitreißen, trotzdem Sinn machen und nicht langweilen. Mit Josef Müllers "Einfach bester Schurke" ist mir eine außergewöhnliche Abenteuer- und Bekehrungsgeschichte ins Haus geflattert. Es ist selten, dass solch eine Kombination gelingt…

Müller beschreibt in rasantem Tempo sein ungewöhnliches Leben. Als Genie für das Aufspüren von Marktlücken, einem siebten Sinn für alles, was Geld bringt und mit harter Arbeit erwirbt er sich Geld und Ansehen. Er hat Spaß an allem, was das Leben angenehm macht. Reichtum, Frauen und Luxus werden für ihn zu einer Droge, die ihn auf der Überholspur durchs Leben antreibt.

Nach und nach öffnet er sich für illegale Geschäfte. Kofferweise wird Geld nach Deutschland geschmuggelt, ohne dass er darüber nachdenkt, wo die Kohle herkommt. Doch immer mehr verliert er die Kontrolle über die Geschehnisse und läuft Gefahr, verhaftet zu werden. Nach einer Flucht in Luxus-Manier gibt er endlich auf. Erst im Gefängnis stürzt alles, womit er sich seine "Josef-Müller-Erfolgstory" zusammengestrickt hatte, wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

Echte Männerbücher sind auf dem christlichen Markt Mangelware. Dieses Buch ist ein rares Exemplar dieser Sparte. Es kommt mit einer richtig guten Story, packender Sprache und ohne langatmig-belehrende Exkurse zur Sache. Müller vermeidet bei der Aufarbeitung seines Schickerialebens mühsame Selbstzerknirschung, auch wenn er seine Konsequenzen gezogen hat. Das macht das ehrliche Buch sympathisch und zu einem guten Geschenk. Egal, ob Christ oder Nicht-Christ, Viel- oder Wenigleser.

Müller, Josef
Ziemlich bester Schurke
Wie ich immer reicher wurde
320 Seiten, gebunden
plus 40 farbige Fotoseiten, mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-7655-1595-8
€ 17,99 (D)
SFr 26,80* / € 18,50 (A)
Brunnen Verlag Basel